Gästebuch

Eine zündende Idee

Heinz Piecha | 07.06.2017

Lieber Jürgen,

ich habe mich mit der Zeichnung auf Seite 169 im Vorreiterbuch "Der Fantast" immer wieder beschäftigt, sie hat mich nicht losgelassen.
Meine Einschätzung möchte ich Dir nun mitteilen.

Bei der Patentbeschreibung von July 30. 1901 und Sept 22. 1903, F.Küpper & A.E. Vorreiter:

"DRIVING MECHANISM FOR MOTOR VEHICLES"

handelt es sich wahrscheinlich um eine Hochspannungskondensatorzündung zur Erzeugung eines Zündfunkens beim Verbrennungsmotor (Ottomotor) um das Jahr 1901.

Wie auch in anderen Patentbeschreibungen eine unvollständige Darstellung, meist ohne Funktionsbeschreibung, ebenso fehlen Kennzeichnungen.
Die Zusammenhänge sind schwer erkennbar, daher meine Vermutung.

Aus meiner Sicht handelt es sich um einen großflächigen Kondensator (links im Bild).
Erkennbar sind die Kondensatorplatten, eine Batterieversorgung (eine Spule und eine Zündkerze?).
Die erste Zündkerze der Welt wurde 1902 zusammen mit einem Hochspannungsmagnetzünder präsentiert.

Funktion um 1902: Ein mit Gleichspannung (Batterie) aufgeladener Kondensator (Kondensatorspannung von ca. 500 bis 600 Volt) hat die Eigenschaft, die Energie (Hochspannung) bis zur schlagartigen Entladung an den Zündkerzen zu speichern.
(Prinzip des Elektrolytkondensators, 1896 von Charles Pollak als Patent angemeldet)

Um einen Gleichlauf bei einem Mehrzylinder- Verbrennungsmotor zu erreichen, muss die Zündenergie über einen Zündverteiler, Verteilerläufer, Verteilerscheibe und ein Hochspannungszündkabel bis zur jeweiligen Zündkerze fließen, die sich dann an den beiden Polen der Zündkerzenspitze in Form eines Zündfunkens schlagartig entlädt.

Dieser elektrisch gesteuerte Zündmechanismus war damals in der komplexen Form nicht bekannt.
Bei Mehrzylinder- Motoren um 1900, wurden komplizierte, mechanische Verteil-Vorgänge konstruiert.
(Der Wissensstand Elektrotechnik hinkte der Motortechnik mit weitem Abstand hinterher,
mechanische Bewegungsabläufe konnte man mit der Elektrik nicht steuern.)

In der Zeichnung rechts im Bild wird vermutlich eine funktionierende Lösung dargestellt, die Kondensator- Zündenergie durch einen Kolben und einen Gleitschlitten auf die einzelnen Zylinder (6 Zylinder?) zu verteilen.
Für Motoren mit geringer Drehzahl wahrscheinlich auch eine funktionsfähige Lösung, ein Patent von Küpper & Vorreiter.

Erst 1910 erfand Bosch den Zündverteiler.

Wegen der Anforderung, Motordrehzahlen auf weit über tausend Umdrehungen pro Minute zu erhöhen, hat sich das Küpper/Vorreiter-Zündsystem nicht durchgesetzt, es war zu träge, hatte keine präzise Funktion, außerdem war der Zündfunke zu schwach.
In der Fachliteratur zur "Geschichte der Zündung" keine Erwähnung.

Bis dahin verwendete man überwiegend Magnetzünder ohne Verteilsystem.

Aber 1964 erfand man die erste kontaktgesteuerte Transistorzündung und 1965 die

Kontaktgesteuerte Hochspannungs-Kondensatorzündung.

Die Verwendung und Funktion des Kondensator im Motorenbau hatte also Vorreiter bereits 1901 erkannt.
Eine technische Wiedergeburt, vielleicht Erinnerungen an die Anfänge für "Electricar? Apparatst".

Auf Deine Frage, welche seiner Erfindungen/ Patente aus heutiger Sicht noch nennenswert wäre, würde ich sagen: seine Kondensatorzündung!
Hier hatte Vorreiter eine zündende Idee von großer (zukunftweisender) Bedeutung.
Offensichtlich war Vorreiter der erste Erfinder, der erkannt hat, dass mit Hilfe eines elektrischen Kondensators ein Zündfunke erzeugt werden kann.

Dir und Vera herzliche Grüße
Rosi und Heinz

Beeindruckend und mitreißend

Heinz Piecha | 18.01.2016

Mein Eindruck nach dem ersten Lesen ist, dass der Autorin eine beeindruckende, mitreißende Biographie über ihren so rätselhaften wie avantgardistischen Großvater gelungen ist. Es war spannend für mich mitzuerleben, wie es ihr nach und nach gelingt, Ansbert Vorreiter näherzukommen und ein Bild von ihm zu gewinnen, das gleichzeitig fasziniert und abschreckt und bis zum Schluss immer neue Fragen aufwirft. Deutlich wird, wie die Autorin zwischen Bewunderung, Respekt, vielleicht auch Stolz, hin und hergerissen wird, mit Blick auf den Umgang des Großvaters mit dem weiblichen Geschlecht aber einen Anflug von Verachtung nicht von sich weisen kann. Die dunklen Seiten ihres Großvaters sind nicht zu übersehen und es ist die Frage, ob sie von dem Guten und Positiven, das er geleistet hat, aufgewogen werden.
Für mich als Techniker sind die lebendigen Berichte über die Pionierzeit der Himmelsstürmer und die Begegnungen mit den Persönlichkeiten aus der Anfangszeit der deutschen Luftfahrt von besonderem Interesse. Da kommt das Herz eines Ingenieurs in Wallungen.
Alles zusammen ein gelungenes Buchwerk, eine spannende, facettenreiche Darstellung von unverfälschter Authentizität.

Test

H. | 13.01.2016

Test

Neuer Beitrag